geschichte

Die Entwicklung des Vereinssports im Saale-Holzland-Kreis

Die Schützen knüpften an die mittelalterlichen Traditionen an, die sich aus der Sicherung der Städte oder der Handelswege ergab. So sind insbesondere die privilegierten Schützengesellschaften in Eisenberg (1601) und Bürgel hier einzureihen sowie die Schützenvereine – Schützengesellschaft Dorndorf 1686 und Kahla 1686, die Schützenvereine Camburg 1784 und Roda 1810. Das Verdienst von GutsMuths bestand dabei darin, die Gymnastik, das Turnen, die Spiele, das Schwimmen und viele andere Bewegungsformen zum Gegenstand der schulischen Gesamtausbildung gemacht zu haben.

Eisenberger Schuetzengesellschaft Gauturnfest Hermsdorf 1913 Eisenberger Turnerinnen 1913

Aus der Turnbewegung entstehen die ersten Turnvereine

Friedrich Ludwig Jahn blieb es vorbehalten, die Pflege der Leibesübungen populär zu machen. Die von Jena ausgehende Burschenschaftsbewegung wurde zu einem der Träger der Jahnschen Turnbewegung. Nach der Aufhebung der Turnsperre im Jahre 1842, die die um 1814 einsetzende Turnbewegung stark behinderte, griff diese Entwicklung auch auf den heutigen Saale-Holzland-Kreis über. Am 17. Juli 1848 gab es in Eisenberg die erste Vereinsgründung in der Region. Der Männerturnverein wurde aus der Taufe gehoben. Der Turnverein hatte 1861 schon 96 Mitglieder, davon 50 aktive Turner, 60 Zöglinge und 6 passive Mitglieder.

In den folgenden Jahren bis 1861 gründeten sich 1860 der Turnverein in Kahla (185 Mitglieder), 1861 in Camburg (49), Dornburg (70), Roda (234) und Bürgel (1862). Für den Turnverein in Roda ist schon für 1861 belegt, dass er für 62 Schüler den Turnunterricht vollzog. Sehr differenziert war die Situation mit den notwendigen Turnanlagen. Einen eigenen Turnplatz in unserer Region hatte nur Dornburg. Städtische Anlagen wurden in Camburg und Kahla kostenlos zur Verfügung gestellt. In Roda und Bürgel nutzten die Turnvereine die räumlichkeiten der Schützenvereine. Neben dem Turnen wurden z.T. auch noch andere Körperübungen betrieben. So werden Fechtübungen in Roda, Schießübungen in Camburg, Schwimmen in Camburg und Kahla genannt und es gab Turnerfeuerwehren in Kahla, Eisenberg und Roda. Die Turnvereine unserer Region gehörten dem "Allgemeinen Thüringer Turnverein" an und hatten in Kahla am 30.Juni/1.Juli 1861 ihr erstes großes Turnfest.

Turnen wird zum Schulfach

Die Entwicklung des Sporttreibens ist eng mit der Entwicklung des Schulsports verbunden. Der preußische Erlass von 1842, der die Turnsperre beendete, sieht in den Leibesübungen einen "notwendigen und unentbehrlichen Bestandteil der männlichen Erziehung", aber es entwickelte sich auch eine Trennung in den Schulsport für die Kinder und den Vereinssport für die Erwachsenen.

Für die Teile unseres Kreises, welche zum Großherzogtum Sachsen-Weimar gehörten, wurde der Sportunterricht schon nach 1850 eingeführt. Dabei kam den Lehrerseminaren in Weimar und Altenburg, sowie den Bildungseinrichtungen in Jena, eine Vorreiterrolle zu. Im Herzogtum Sachsen-Altenburg gab es 1870 noch keine gesetzliche Regelung zum Schulturnen. Aber am Lehrerseminar in Altenburg wurde der Turnunterricht eingeführt und in Kahla und Eisenberg wurde bereits auch an den Volksschulen geturnt. Der am Gymnasium in Eisenberg tätige Lehrer Teubner hat sowohl für den Schulsport als auch für die Entwicklung des Turnverbandes Verdienste erworben. In den Akten der Grundschule Gernewitz wird 1887 mitgeteilt, dass Turnunterricht an der Schule durchgeführt werden kann, wenn die eltern dazu ihre Einwilligung geben.

Turnplätze, Turnhallen und Bäder entstehen

Neben den ersten Turnhallen und Turnplätzen entstanden auch die ersten Bäder im Kreis. Die Bade- und Schwimmanstalt in Eisenberg, später als Ernst-Bad bezeichnet, wurde 1879 eröffnet, das Waldbad im Weihertal in Roda wurde am 1. Mai 1906 eingeweiht und das Waldbad am Eingang des Mühltales folgte nach dem 1. Weltkrieg und waren die Attraktion für die Bevölkerung. Das Bad wurde im Sommer Pilgerstätte für alle Urlauber und die Badefreunde der Umgebung. Im Turnverein trug man sich schon mit dem Gedanken eine selbständige Schwimmabteilung zu gründen. Es folgte dann Anfang der 30-er Jahre das Waldbad in Wolfersdorf. Wir hatten aber nur einen Schwimmverein in unserer Region, den Schwimmverein „Hellas club“ 1900 in Eisenberg. Obwohl sich die Bedingungen für den Schwimmsport durch das Hallenbad und unsere schönen Freibäder deutlich verbessert haben, gibt es heute aktuell auch keinen Schwimmverein im Kreis.

Sportvereine und viele neue Sportarten verändern das Angebot

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verändern zwei Prozesse deutlich die Situation im Vereinssport. Die Frauen und Mädchen drängten, wenn auch anfangs sehr zögerlich, mit eigenen Orderungen in die Vereine oder gründen eigene Vereine. Zum anderen entwickelt sich neben dem Turnen und trotz Widerstandes des Turnerbundes eine moderne Sportbewegung, welche sportartspezifisch und wettkampforientiert war. Schaut man in das Vereinsregister der Jahre 1890 bis 1912, dann stellt sich eine Flut von Vereinsgründungen in unserer Region dar. Radfahrvereine, Kegelvereine, Fußballvereine, Schwimmvereine, Schützenvereine, Ringen, Gewichtheben, Wintersport usw. bringen in kurzer Zeit eine neue Angebotsstruktur hervor. Durch die Gründung des Arbeiter-Turnerbundes 1893 in Gera bildeten sich auch in unserer Region zahlreiche eigene Arbeitersportvereine, die neben dem Turnen sich stärker den wettkampforientierten Sportarten zuwandten.

Bis 1913 entstanden so 26 Radfahrvereine - 1899 in Hainspitz und Ottendorf, es entstanden 6 Kegelvereine - so 1897 in Hermsdorf, wo es dann 1914 6 Kegelvereine gab. Fußball gab es 1911 in Klosterlausnitz, 1912 in Klengel und selbst in der Freien Turnerschaft Stadtroda bildete sich eine Abteilung Fußball. Auch ein Wintersportverein gründete sich 1913 in Klosterlausnitz und in Eisen- berg betrieb man den Schlitten- und Bobsport. Im Jahre 1912 gab es in Hermsdorf insgesamt 15 Sportvereine und im benachbarten Klosterlausnitz waren es noch 11 Sportvereine. Sportvereine wie der TSV 1860 Dornburg, der Weißenborner SV 1882, der TV 1887 Germania Hermsdorf, der TSV Stadtroda 1890, der SV Rockau 1896, der SV Klengel-Serba 09 und der SV 1910 Kahla tragen heute noch das Gründungsdatum dieser Zeit im Namen.

Der 1. Weltkrieg riss wie in allen anderen Lebensbereichen auch bei den Sportvereinen tiefe Wunden. Viele junge Männer waren tot oder verletzt, die soziale Not war über viele Jahre gerade in unserer Region sehr groß. Der Sportbetrieb kam unter diesen Bedingungen nahezu zum erliegen und nur einzelne Veranstaltungen fanden noch statt (Gauturnfahrt 1917 in Weißenborn).